BLOG (1)

Wenn dein Chef ein Mann ist – willkommen im täglichen Wahnsinn einer Frau

Hallo liebe Frauen. Und ja – auch hallo an die Männer. Ihr dürft natürlich bleiben. Es könnte… lehrreich werden.

Aber seien wir ehrlich: Ich gehe stark davon aus, dass dieses Buch vor allem Frauen lesen werden. Frauen, die schon einmal in einem Meeting saßen und sich dachten: „Das habe ich vor fünf Minuten exakt so gesagt – nur lauter und mit Bart klingt es wohl überzeugender.“

Wie dem auch sei.
Egal wer oder was du bist – dieses Buch ist für dich. Vorausgesetzt, dein Vorgesetzter ist ein Mann. Und du hast mindestens einmal innerlich „interessant…“ gedacht, obwohl du eigentlich „nein“ meintest oder sprachlos gar nichts erwiedert hast.

Gehen wir mal auf meine aktuelle Situation ein.

Ich arbeite seit knapp einem Jahr in einem Technologieunternehmen. So eines von der Sorte, bei der man auf Familienfeiern einfach „Tech“ sagt und alle beeindruckt nicken, obwohl niemand so genau weiß, was die Firma da eigentlich so macht. Klingt technisch, modern und klingt nach Zukunft, nach Innovation, nach großen Visionen – und ehrlicherweise auch ein bisschen nach Geld. Viel Geld. Oder? Zumindest dachte ich das am Anfang.

Mein Gehalt wurde nämlich direkt im Bewerbungsprozess… sagen wir mal… optimiert. Allerdings nicht zu meinen Gunsten. Ich bin aus den Verhandlungen ungefähr so siegreich hervorgegangen wie jemand, der versucht, bei eBay Kleinanzeigen den Preis hochzuhandeln. Eine interessante Erfahrung, die ich so auch nicht unbedingt wiederholen muss. Aber gut. Irgendwie ist das mit meinen 36 Jahren auch nicht überraschend. Es war nicht meine erste Verhandlung. Ich finde es einfach nur respektlos, warum man mir meine Leistung nicht ausreichend vergüten möchte. Daraus folgt natürlich immer eine gewisse finanzielle Unzufriedenheit. Und der Vergleich mit anderen ist natürlich immer fatal. Ich rate davon dringends ab. Hilft aber dennoch nichts. Ich kann da auch nicht aus meiner Haut.

Und dann kam mein erster Arbeitstag.Ein Sommertag. Ich sollte um 10 da sein. Ich war viel zu früh da, war noch am See im Ort, hab mir zu viele Kaffees reingepiffen. Aber ich war Happy. Endlich eine neue Herausforderung.

Ihr kennt doch diese ersten Tage im neuen Job, an denen man geschniegelt, motiviert und leicht nervös ins Büro kommt, bereit, sein bestes Ich zu präsentieren? Genau in diesem Moment habe ich erfahren, dass das Unternehmen Kurzarbeit anmeldet. Ach ja – und dass wir seit zwei Jahren in den roten Zahlen sind. Kleine Randnotiz, die man im Bewerbungsprozess offenbar einfach… vergessen hatte. Nicht genau in diesem Moment. Das hab ich jetzt falsch ausgedrückt. Ich meite damit vielmehr an einem Montag. Dem 1.7.2026 an meinem ersten Arbeitstag, hat mir der Vorstand in einer offiziellen Mitarbeiterversammlung mitgeteilt, dass es ab Herbst Kurzarbeit gibt. Ich war ziemlich sprachlos wie ihr euch sicherlich denken könnt. Mir fehlten buchstäblich die Worte. Wie kann das sein, dass man mir mit keinem Mux gesagt hat, dass die Firma in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt? Ich hatte kurzzeitig überlegt, ob ich auch auf 2 Tage Kurzarbeit bock hätte. Langes Wochenende und so? Aber nein. Ich wollte durchstarten. Also was soll der Mist? Wo bin ich hier nur reingeraten?

Aber keine Panik. Es gab auch gute Nachrichten.
Das Marketing – also wir – sind davon ausgeschlossen. Schließlich soll ich ja geiles Marketing machen. Zu diesem Satz komm ich später nochmal zurück.

Ich erinnere mich noch genau an diesen Satz. „Du sollst hier richtig geiles Marketing machen.“ Gesagt mit dieser Mischung aus Erwartung und völliger Ahnungslosigkeit darüber, was das eigentlich bedeutet. Und vor allem: womit.

Denn falls ihr euch fragt, wie man in einem Unternehmen, das finanziell eher auf Sparflamme läuft, bahnbrechendes Marketing aufzieht….Vielleicht ist es eine innere Einstellung?

Die ersten Erklärungsversuche der Firma folgten natürlich direkt. Erstmal wurde ich zum Vorstand gerufen, dass alles halb so wild sei, und sie auch nicht wollten, dass ich es am ersten Tag erfahre, außerdem hat sich dann auch noch der Geschäftsführer versucht zu erklären und natürlich HR. Mr. HR meinte ganz salopp zu mir am Telefon „ Du sorry, wir haben hin und her überlegt, ob wir dir das mitteilen sollen, denn wir hatten schon schiss, dass du dann absagst“.

Wow. Mir fehlten da so ein bisschen die Worte. Was zum Fuck? Ich fühlte mich hintergangen. Ich dachte mir noch so. Jetzt bekomme ich neue Routinen. Ich hatte wirklich richtig Bock auf diesen Job.  Ich wollte natürlich nicht gleich hinschmeißen. Also dachte ich mir. Gute Miene zum bösen Spiel. Mein Team und ich wurden jeweils für eine Woche zwischen den Jahren Dezember und den Januar in Kurzarbeit geschickt. So viel zum Thema „Marketing ist ausgeschlossen“. Offenbar gilt das nur… situativ.

Für mich bedeutete das konkret rund 350 Euro weniger pro Monat. Nicht existenzbedrohend, aber auch nicht die Art von Überraschung, die man sich wünscht.

Aber hey – und jetzt kommt der Teil, den ich mir selbst immer wieder gerne erzähle, um die Situation ein bisschen romantischer wirken zu lassen: Ich war einen Monat auf Zypern. Man muss ja schließlich Prioritäten setzen. Also hatte ich nicht nur weniger Geld, nein ich hab auch viel Geld ausgegeben. Das nenn ich mal sinnvoll.

Und jetzt sitzen wir hier. Zehn Monate später. Du liest dieses Buch – und ich schreibe es. Was irgendwie bedeutet, dass ich es geschafft habe, aus dieser Situation zumindest Kapital zu schlagen. Emotional. Und vielleicht auch finanziell. Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Wenn ich so darüber nachdenke, ist es eigentlich beeindruckend, wie schnell man sich an Dinge gewöhnt. An Aussagen wie „Wir müssen aktuell ein bisschen auf die Kosten achten“, während gleichzeitig von „großen Visionen“ gesprochen wird. An Meetings, in denen alle so tun, als wäre alles völlig normal – und ich innerlich nur denke: Wir waren doch gerade noch in Kurzarbeit?