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Wenn dein Chef ein Mann ist – und du ständig das Gefühl hast, mehr beweisen zu müssen als Andere. Chef. Männlich. Überraschend kompliziert.

Es gibt diesen einen Satz, den Frauen erstaunlich oft hören.

„Nimm das nicht so persönlich. Bist du schlecht drauf? Hast du deine Tage? Irgendwie bist du heute anders“

Komisch nur, dass dieser Satz bzw. diese Sätze fast immer dann fällt, wenn wir etwas ansprechen, das uns tatsächlich persönlich betrifft.

Ich habe in meinem Berufsleben viele Führungskräfte erlebt. Gute. Schlechte. Inspirierende. Überforderte. Männer und Frauen. Und eines habe ich gelernt: Nicht das Geschlecht entscheidet darüber, ob jemand eine gute Führungskraft ist. Aber manchmal beeinflusst es, wie Führung wahrgenommen wird – und wie Frauen sich im Arbeitsalltag fühlen.

Wenn dein Chef ein Mann ist, beginnt oft ein stilles Spiel. Ein Spiel, das niemand offiziell ausspricht, das aber viele Frauen kennen.

Wie selbstbewusst darf ich auftreten, ohne arrogant zu wirken?

Wie deutlich darf ich widersprechen, ohne als schwierig zu gelten?

Wie viel Ehrgeiz ist attraktiv – und ab wann bin ich plötzlich „zu dominant“?

Diese Fragen stellen sich viele Männer wahrscheinlich nie. Viele Frauen hingegen schon.

Ich erinnere mich an Meetings, in denen ich einen Vorschlag machte und kaum jemand reagierte. Fünf Minuten später sagte ein männlicher Kollege fast dasselbe – und plötzlich war es eine brillante Idee.

War das Absicht?

Vielleicht nicht.

War es frustrierend?

Absolut.

Es sind oft nicht die großen Ungerechtigkeiten, die zermürben. Es sind die kleinen Dinge. Das Unterbrechen. Das Erklären von Themen, die man selbst längst beherrscht. Das automatische Duzen, während männliche Kollegen gesiezt werden. Das Lob für das nette Auftreten, während Männer für ihre Fachkompetenz gelobt werden.

Und nein – das passiert nicht überall.

Es gibt männliche Führungskräfte, die ihre Mitarbeiterinnen fördern, ihnen zuhören und sie ernst nehmen. Männer, die verstehen, dass Vielfalt kein Trend ist, sondern eine Stärke. Männer, die keine Angst vor starken Frauen haben, sondern sie bewusst unterstützen.

Genau solche Führungskräfte brauchen Unternehmen.

Aber genauso gibt es Situationen, in denen alte Rollenbilder noch immer mitschwingen. Nicht aus bösem Willen, sondern weil viele Verhaltensmuster über Jahre entstanden sind. Weil man sie nie hinterfragt hat.

Vielleicht liegt genau darin die größte Herausforderung.

Nicht darin, dass Männer Chefs sind.

Sondern darin, dass gute Führung heute mehr braucht als Fachwissen und Entscheidungen.

Sie braucht die Bereitschaft zuzuhören.

Sich selbst zu hinterfragen.

Und zu erkennen, dass Menschen unterschiedliche Erfahrungen machen – auch dann, wenn sie im selben Büro sitzen.

Ich wünsche mir keine Arbeitswelt ohne männliche Chefs.

Ich wünsche mir eine Arbeitswelt mit Führungskräften, die Leistung erkennen, Potenzial fördern und Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht begegnen.

Denn am Ende ist die wichtigste Frage nicht:

„Ist mein Chef ein Mann?“

Sondern:

„Fühle ich mich gesehen, respektiert und ernst genommen?“

Wenn die Antwort darauf Ja lautet, spielt das Geschlecht der Führungskraft kaum noch eine Rolle.

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